Der Advent ist die Zeit, in der wir unsere Herzen auf die Ankunft Jesu vorbereiten. Wie aber kann das gelingen? Anhand der Geschichte aus dem Evangelium, in welcher Jesus seine Freunde Maria, Martha und Lazarus besucht, zeigte uns Dekan Gabriel bei der Andacht im Advent einen Weg der Vorbereitung, der für jede/n von uns begehbar ist. Wenn wir dafür Sorge tragen, dass in unseren Herzen die Haltungen der drei Geschwister wohnen, die Jesus liebt, dann wird er dort einkehren, als wäre er dort zuhause. Die drei Geschwister symbolisieren dabei die verschiedenen Beziehungsebenen eines Menschen. Maria ist verantwortlich für die Beziehung des Menschen zu Gott, da sie in der Geschichte einfach nur Jesus zu Füßen sitzt und ihm zuhört. Martha symbolisiert die Beziehung des Menschen zu anderen Menschen, da sie in der Geschichte den anderen dient und dafür sorgt, dass alle sich wohlfühlen. Lazarus steht für die Beziehung eines Menschen zu sich selbst, denn im Evangelium ist er eigentlich ein Toter, der der Auferstehung bedarf. Was können wir von diesen Figuren also lernen, um in unseren Herzen eine Neuorientierung zu erreichen?
Von Martha, dieser durch und durch liebenswerten Frau, können wir in erster Linie eines lernen bzw. verlernen: dass wir die Dinge nicht unnötig dramatisieren sollen. Denn in den Worten, die sie, ein wenig trotzig, zu Jesus sagt: “Kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die Arbeit mir allein überlässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen!”, klingt so viel mehr mit, als diese bloße Aufforderung. Man spürt zwischen den Zeilen einen tiefen Groll, der seine Wurzel weit in der Vergangenheit zu haben scheint: Martha fühlt sich wohl bereits seit geraumer Zeit als von Maria benachteiligt oder sogar übersehen.
Auch von anderer Stelle in der Bibel kennen wir eine ähnliche Situation. Als die Jünger mit ihrem Boot in einen tödlichen Sturm geraten, sagen sie vorwurfsvoll zu Jesus: “Kümmert es dich nicht, dass wir sterben?”
Beide Begebenheiten haben, neben der identischen Formulierung des Vorwurfs, mehrere Gemeinsamkeiten: Anstatt Jesus von ihren Gefühlen zu erzählen, unterstellen Martha und die Jünger Jesus, ihm sei etwas entgangen und meinen, ihm sagen zu müssen, was er tun soll. Sie machen sich zu viele Sorgen, betrachten ihre Situation als quasi das Ende der Welt, anstatt auf Jesus zu vertrauen. Martha macht sich zu viele Gedanken über die Vergangenheit, die Jünger über die Zukunft, anstatt in der Gegenwart zu leben.
Auch im alten Testament kämpft Mose mit einem ähnlichen Problem. Genau jedoch, während er an vergangene Zeiten denkt, als er noch am Hofe des Pharaos wohnte und hofft, eines Tages dorthin zurückkehren zu können, falls ihm irgendwann in ferner Zukunft seine Strafe erlassen wird, die ihn in Ägypten erwartet, offenbart sich Gott ihm im brennenden Dornbusch. Das Ungewöhnliche daran ist nicht das Brennen an sich, denn in dieser trockenen Gegend entzünden sich in der heißen Sonne andauernd Büsche. Was Moses Neugier erweckt, ist die Tatsache, dass der Busch nicht mehr aufhört zu brennen. Und seine Neugierde wird, mitten im seinem Alltag, ohne jede Vorbereitung, damit belohnt, dass Gott sich ihm mit dem wunderschönen Namen “Ich bin da!” vorstellt und auf diese Weise ein Gespräch mit ihm beginnt, das bis ans Ende seines Lebens andauern wird.
Was können wir nun daraus lernen? Einerseits sollen wir aus unseren Alltagsproblemen, ohne diese dabei zu verharmlosen, nicht das Ende der Welt machen, sondern auf Gott vertrauen. Zudem sollen wir aufhören, uns übermäßig über Vergangenes oder Zukünftiges zu sorgen und stattdessen in der Gegenwart leben, da wir sonst Gefahr laufen, uns zu sehr auf unsere Probleme zu konzentrieren. Auch sollen wir aufmerksam sein, wir sollen Gott nachspüren und ihn auch in kleinen Dingen des Alltags finden lernen. Wenn wir neugierig genug sind und ihn und das Gespräch mit ihm aktiv suchen, dann werden wir mitunter damit belohnt, dass er das Gespräch mit uns eröffnet und nie mehr beendet. Was für eine schöne Aussicht im Advent!
Ebenfalls eine schöne Aussicht ist die Tatsache, dass unser Dekan Gabriel über eine scheinbar unerschöpfliche Quelle an wunderbaren Botschaften verfügt, die er uns mit spürbar tiefem Wohlwollen auf unseren Weg mitgeben möchte. So warten wir gespannt auf die Fortsetzung dieser Andacht am 29. Jänner.
Diese Andacht im Advent wurde musikalisch umrahmt von der Chorgemeinschaft Gries, und im Anschluss gab es wieder eine köstliche Agape im Pfarrheim, vorbereitet von der Pfarre Gries. Vielen Dank an alle, die es uns wieder ermöglicht haben, einen so inspirierenden Abend zu erleben! Wir freuen uns schon auf das nächste Mal!
(Text undFotos: Stefanie Strickner)